Manche Erkrankungen führen dazu, dass eine Nahrungsaufnahme über den üblichen Weg – den Magen-Darm-Trakt – nicht ausreichend oder gar nicht möglich ist. So haben beispielweise manche Patienten mit einer Krebserkrankung aufgrund von Nebenwirkungen der Krebstherapie – wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Appetitlosigkeit – Phasen, in denen sie kaum Nahrung aufnehmen können. Auch wenn größere Teile des Darmes erkrankt sind (z. B. bei der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn) oder durch eine Operation entfernt wurden (Kurzdarmsyndrom), kann der Darm nicht genügend Nährstoffe aus der Nahrung an das Blut weitergeben. Dem Körper werden dadurch keine Nährstoffe mehr nachgeliefert und er ist gezwungen, seine Nährstoffvorräte aufzubrauchen, was langfristig zu einer Verschlechterung des Ernährungszustandes und einer Mangelernährung führen kann.

Mit einer parenteralen Ernährung können die fehlenden Funktionen des Magen- und Darmtrakts ausgeglichen werden, denn bei dieser Form der Ernährung gelangen die Nährstoffe nicht in den Magen-Darm-Trakt. Stattdessen werden alle lebensnotwendigen Grundbestandteile der Nahrung direkt in das Blut verabreicht. Man spricht auch von einer intravenösen Ernährung. Intravenös bedeutet „direkt in die Vene hinein“. Die Nährlösung oder auch Infusionslösung zur Ernährungstherapie enthält ein flüssiges Gemisch aller Nährstoffe, die zum Leben notwendig sind. Ihre Menge und Zusammensetzung hängen von den besonderen täglichen Bedürfnissen des Einzelnen ab.

Bei der parenteralen Ernährung handelt es sich um verschreibungspflichtige, apothekenpflichtige Arzneimittel. Damit ist eine ärztliche Verordnung zwingend erforderlich. Zudem ist der Bezug nur über eine Apotheke möglich.

Voraussetzung für die parenterale Ernährung ist ein geeigneter Zugangsweg, über den die Nährlösung in eine Vene geleitet wird. Die Zugänge werden auch zentraler Venenkatheter oder zentralvenöser Kathetergenannt, da sie bis in ein zum Herzen hinführendes zentrales Blutgefäß reichen. Diese Katheter werden im Rahmen eines kleinen chirurgischen Eingriffs entweder ganz oder teilweise unter der Haut eingesetzt. Der größte Teil des Katheters liegt dabei als Kunststoffschlauch in einem Blutgefäß. Wie die Nährlösung in das Blutgefäß gelangt und welche Arten von Kathetern es gibt, können Sie im Folgenden erfahren.

Die parenterale Ernährung kann zu Hause genauso problemlos wie in der Klinik erfolgen. Wenn Sie sich für eine heimparenterale Ernährung entscheiden, können Sie oftmals früher aus der Klinik entlassen werden. Die Versorgung zu Hause kann eine Pflegekraft oder ein Pflegedienst übernehmen. Sie und/oder Ihre Angehörigen können aber auch selbst den Umgang mit der parenteralen Ernährung erlernen und dadurch Ihre Unabhängigkeit und Selbständigkeit bewahren. Für die parenterale Ernährung zu Hause haben wir nützliche Anwendungstipps für Sie zusammengestellt, die Ihnen im Umgang mit dem zentralen Venenkatheter und der Verabreichung der parenteralen Nährlösung helfen.

Parenterale Nährlösungen

Eine parenterale Nährlösung enthält ein flüssiges Gemisch aller Nährstoffe, die Ihr Körper täglich benötigt, wie EiweißKohlenhydrate, Fette, VitamineMineralstoffe (Elektrolyte) und Spurenelemente. Die Menge und Zusammensetzung der Nährlösung hängt von den besonderen täglichen Bedürfnissen des Einzelnen ab. Diese Bedürfnisse können unter Berücksichtigung Ihres Alters, Ihres Geschlechts, Ihres Körperbaus, eventueller Erkrankungen und Ihrer körperlichen Aktivität relativ genau berechnet werden. Mit in diese Berechnung geht ein, ob Sie zusätzlich essen und trinken oder ob Sie sich vollständig parenteral ernähren. Diese Informationen dienen dem behandelnden Arzt als Grundlage für die Auswahl der für Sie geeigneten Nährlösung.

Die parenterale Ernährung ist so zusammengesetzt, dass sie Ihnen alle wichtigen Nährstoffe und Substrate liefert, die Sie auch mit Ihrer normalen Ernährung aufnehmen würden.

Bestandteile der Nährlösung

  • Aminosäuren sind die kleinsten Bestandteile der Eiweiße und die wichtigsten Baustoffe des Körpers. Aus ihnen wird Eiweiß zur Erhaltung der Struktur und der Funktion des Körpers aufgebaut und Enzyme und Hormone zur Regulation des Stoffwechsels.
  • Glukose (Traubenzucker) gehört zur Gruppe der Kohlenhydrate und ist der wichtigste Betriebsstoff für den Körper. Sie ist für die Funktion des Gehirns lebensnotwendig und dient allen Körperzellen als schnell verfügbarer Energielieferant. Die bereitgestellte Energie (siehe auch Fett) braucht der Körper zur Erfüllung der verschiedensten Leistungen.
  • Fett ist neben Glukose der Hauptenergielieferant des Körpers. Fett kann in Form von Fettgewebe gespeichert werden. Zusätzlich transportiert Fett die fettlöslichen Vitamine, liefert essenzielle Fettsäuren und dient als Bausubstanz für Zellmembranen und Botenstoffe.
  • Elektrolyte sind Mineralstoffe, die notwendig sind, um die Funktion von Körpergeweben zu erhalten (z. B. Kalzium als Knochenbaustein) und die Flüssigkeitsverteilung im Körper zu regulieren (z. B. Natrium).
  • Spurenelemente sind Substanzen, die im Körper in kleinsten Mengen vorkommen und an vielfältigen Prozessen beteiligt sind (z. B. Jod an der Schilddrüsenfunktion).
  • Fett- und wasserlösliche Vitamine sind Bestandteile jeder gesunden Ernährung und üben eine wichtige Funktion bei der Bildung und Umwandlung von Körpergeweben und vielen anderen Prozessen aus.
  • Wasser ist mengenmäßig der Hauptbestandteil des Körpers. Wasser wird z. B. zur Aufrechterhaltung der Kreislauffunktion und zum Ausscheiden von Substanzen über die Nieren benötigt.

Parenterale Nährlösungen für zu Hause
Anders als Sie es vielleicht von Infusionen aus der Klinik kennen, werden die Nährlösungen für die heimparenterale Ernährung nicht in Flaschen, sondern in einem Kunststoffbeutel zur Verfügung gestellt. Diese Mehrkammerbeutel enthalten in verschiedenen Kammern eine Fettemulsion, eine Aminosäure- und eine Glukoselösung. Außerdem sind bereits Elektrolyte zugegeben. Die Inhalte der Kammern (je nach Beutel sind es zwei bis drei) werden unmittelbar vor der Verwendung miteinander vermischt. Dieser Mischlösung müssen dann noch Vitamine und Spurenelemente zugefügt werden.

In der Praxis der heimparenteralen Ernährung haben sich diese Mehrkammerbeutel sehr bewährt, da sie einfach zu handhaben und wenige Arbeitsschritte für die Vorbereitung erforderlich sind.

Abgestimmt auf Ihre Stoffwechsellage können Sie eine standardisierte oder eine individuelle Mischlösung bekommen. Welche Nährlösung für Sie die richtige ist, wird Ihr behandelnder Arzt unter Berücksichtigung Ihrer Erkrankung und der aktuellen Stoffwechsellage entscheiden.

Standardisierte Mischlösungen
Die standardisierten Mischlösungen beinhalten in einer bestimmten Flüssigkeitsmenge (1 bis 2,5 Liter) einen festgelegten Anteil an Kohlenhydraten, Aminosäuren, Fetten und Elektrolyten. Es stehen zahlreiche Varianten mit unterschiedlicher Kalorienzahl und Nährstoffzusammensetzung für die parenterale Ernährung zur Verfügung. Der Nährlösungsbeutel kann bei Raumtemperatur gelagert werden.

Patientenindividuelle Mischlösungen
Wie der Name schon sagt, werden diese Lösungen für jeden einzelnen Patienten individuell gemischt. Dabei ist eine exakte Dosierung aller Nährstoffe möglich, je nach den speziellen Stoffwechselanforderungen. Zu beachten ist, dass diese Infusionslösungen gekühlt gelagert und ca. acht Stunden vor Infusionsbeginn auf Zimmertemperatur angewärmt werden müssen.

Intradialytische parenterale Ernährung

Manche Dialysepatienten haben große Schwierigkeiten ausreichend zu essen. So können z. B. eine ausgeprägte Appetitlosigkeit und Übelkeit aber auch Beschwerden des Magen-Darm-Traktes dazu führen, dass die Essmenge immer weiter abnimmt. Können diese Probleme durch übliche Mittel und eine unterstützende Ernährungsberatung nicht behoben werden, besteht die Möglichkeit, eine so genannte intradialytische parenterale Ernährung (IDPE) durchzuführen. Bei dieser Form der ergänzenden Ernährung bekommt der Patient während der Dialyse eine Infusion mit einer Nährlösung verabreicht.

Die Nährlösung oder auch Infusionslösung zur Ernährungstherapie enthält ein flüssiges Gemisch aller Nährstoffe, die zum Leben notwendig sind. Die Menge und Zusammensetzung der Nährlösung wird angepasst an die besonderen Bedürfnisse von Dialysepatienten. Die intradialytische parenterale Ernährung zielt darauf ab, den Patienten während der Dauer der Dialyse (= intradialytisch) ergänzend zu ernähren. Durch die IDPE sollen dem Patienten neben Energie und Eiweiß alle Substanzen zugeführt werden, bei denen es während der Hämodialysetherapie zu einem Mangel kommt. Die Nährstoffmenge ist dem zeitlichen Rahmen der Dialyse angepasst, d. h. die IDPE dauert nur so lange wie die Therapiesitzung.

Zentralvenöse Katheter

Voraussetzung für die parenterale Ernährung ist ein geeigneter Zugangsweg, über den die Nährlösung in eine Vene, d.h. ein zum Herzen hinführendes Blutgefäß, gegeben werden kann. Die Zugänge werden auch Katheter genannt. Für die heimparenterale Ernährung werden besondere Arten zentralvenöser Katheter verwendet, die bei guter Pflege eine Ernährung über Monate und Jahre hinweg ermöglichen, sofern dies notwendig ist. Zentralvenöse Katheter werden im Rahmen eines kleinen chirurgischen Eingriffs entweder ganz oder teilweise unter der Haut eingesetzt. Der größte Teil des Katheters liegt dabei als Kunststoffschlauch in einem Blutgefäß. Es gibt verschiedene Kathetersysteme, die für eine längerfristige parenterale Ernährung eingesetzt werden können.

Übliche Möglichkeiten für zentralvenöse Zugänge sind:

Implantierbare Katheter mit äußerem Segment (getunnelte Katheter)
Zu den getunnelten zentralen Katheterverweilsystemen zählen der Broviac®-/Hickman®-Katheter und der Groshong®-Katheter. Diese Katheter werden in einem herznahen Blutgefäß platziert, unter der Haut ca. 10 bis 15 cm weitergeführt bzw. getunnelt und zwischen Brustwarze und Brustbein aus der Haut herausgeleitet (äußeres sichtbares Segment). Dank einer speziellen Kunststoffmanschette (Dacron®-Manschette) am Katheter (ca. 1 bis 2 cm oberhalb der Katheteraustrittstelle) verwächst dieser mit der Haut und wird dadurch fixiert. Dies bietet einen gewissen Schutz vor dem Herausrutschen des Katheters. Außerdem bildet sich dadurch eine Barriere gegenüber Mikroorganismen (z. B. Bakterien und Pilze).

Total implantierte Katheter: Portkatheter
Portkatheter werden vollständig unter der Haut implantiert. Somit ist der Katheter äußerlich nicht mehr sichtbar, und Sie können sich frei bewegen. Dieses System besteht aus zwei Komponenten: der Portkammer (Injektionskammer), die von einer Silikonmembran verschlossen wird, und dem an die Portkammer anschließenden Katheter, der unter der Haut verläuft und in ein großes Blutgefäß mündet. Die Portkammer muss zur Verwendung für die parenterale Ernährung von außen mit einer speziellen Portnadel durch die Haut und die Silikonmembran hindurch punktiert, d.h. „angestochen“ werden, wobei nur ein kleiner Nadelstich spürbar ist.

Für die Verabreichung der parenteralen Nährlösung wird der bereits gemischte Mehrkammerbeutel über eine Infusionsleitung mit dem Anschluss des Katheters verbunden.

Zu Beginn der parenteralen Ernährung wird das Anschlussstück des Katheters über einen Kunststoffschlauch (Infusionsleitung) mit dem Nährlösungsbeutel verbunden. Die Geschwindigkeit, mit der die Nährlösung einläuft, wird entweder mechanisch mit Hilfe eines Durchflussreglers oder durch eine elektrische Pumpe eingestellt. Durch den Einsatz einer Pumpe kann die Fließgeschwindigkeit der Infusionslösung exakt gesteuert und kontrolliert werden. Welche Regulation für Sie die optimale ist und mit welcher Infusionsgeschwindigkeit die Nährlösung verabreicht werden soll, legt Ihr behandelnder Arzt fest.

Quelle: Fresenius

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